Mit neuer Manschette in die Saision

Ostern steht vor der Tür und wir brummen mit unserem Womo Richtung Woudsend ins Winterlager. Die Decision steht noch in der Halle und ist teilzerlegt. Im Herbst haben wir Batterien, Elektrik und Verkleidungen rund um den Motor entfernt. Warum? Das leidige Thema Saildrive-Manschette. Also das innere und äußere „Gummiding“ rund um das Saildrive. (Hier gibt es ein paar Beispielbilder) Wir wissen nicht genau wann die Manschette bei unserem Boot zuletzt getauscht wurde; jedoch im besten Fall seit 2011, beim Tausch der Maschine. Volvo schreibt einen Tausch nach 7 Jahren vor, allerdings findet das in der Praxis kaum Anwendung.

Nachdem das komplette Saildrive hierzu entfernt werden muss, werden auch alle Dichtungen und Simmerringe ersetzt. Mit der neuen Farbe sieht es auch wieder „schick“ aus. Unser Ruder hängt nun auch wieder am Boot, denn auch hier war das untere Lager mal wieder fällig und ist ersetzt. Original sind die Ruderlager leider nicht mehr zu bekommen, jedoch gibt es eine Alternative von der Firma IGUS. Sie bieten auch spezielle wasserbeständige Kunststoffe an. Wer hierzu weitere Infos braucht, darf sich gerne melden.

Der finale Test

Nun kommt der spannende Moment, in dem die Decision wieder ins Wasser kommt.-Alles dicht?- Auch Techniker Marco steht bereit, um die Dichtigkeit des Bootes zu prüfen – begleitet von jenem leisen Restzweifel an der eigenen Arbeit, der wohl selbst den Besten nicht ganz fremd ist. 😉.

Doch alles ist gut und dicht! Der Rest ist mehr oder weniger Routine. Mast stellen, Motor starten, Rigg einstellen, Segel anschlagen, Wasserfilter einbauen und jede Menge Teile wieder zurück an Bord bringen. Zu guter Letzt wird noch eine neue Umlenkrolle für die Rollleine der Genua installiert. Das ist im Grunde keine große Sache, jedoch muss man hierzu in der Backskiste um die Ecke nach oben greifen um die Mutter zu befestigen. Das wird zum Geduldsspiel -doch am Ende schaffen wir es mit vereinten Kräften und Trick 17.👍

Lemmer

Unsere Route nach Enkhuizen führt uns dieses Jahr über Lemmer. Wetterbedingt verbleiben wir hier einen Tag und besuchen das Woudagemaal. Ein dampfbetriebnenes Pumpwerk aus dem letzten Jahrhundert. Wirklich beeindruckend und sehr empfehlenswert.

Überfahrt nach Enkhuizen

Kaiserwetter erwartet uns bei der Überfahrt nach Enkhuizen. Frühlingshaft frisch aber mit viel Sonne und angenehmen 3Bft Amwindkurs.

Nach getaner Arbeit, insbesondere das Deck hat eine gründliche Reinigung nach dem Winter nötig, bringen wir noch unserer Rettungswesten zur Wartung. Als Saisonauftakt genießen wir ein Bierchen bei herrlichem Frühjahrswetter in der Brauerei. Zurück an Bord erreicht uns noch eine WhatsApp mit einer Einladung auf „F27“. Wir freuen uns sehr und haben uns einiges zu erzählen.

Zurück nach Hause

Mit Bahn und Bus machen wir uns am folgenden Tag auf den Weg nach Woudsend, um unser Womo zu holen. Da wir am Ostersonntag nicht direkt nach Hause möchten, machen wir einen kleinen Abstecher nach Papenburg. Dort schauen wir uns bei Nieselregen den Ort an, bevor wir unseren Campingplatz anfahren. – Nach einem kleinen Sparziergang durch das Aschendorfer Obermoor, geht es 450 km über die Autobahn nach Hause.

Wir müssen an den Haken

Stora Rör 27.06.2021

Natürlich haben wir uns es nicht nehmen lassen und haben uns von dem sehr leckeren Bäcker noch mal Brötchen geholt. Wir genießen das Frühstück bei bestem schwedischen Sommerwetter, in der Pflicht. Heute soll es nach Pataholm an eine Boje gehen. Doch zuvor muss noch schnell der „technische Check“ erfolgen: Bilge, Seewasserfilter, Motor und Getriebe prüfen. Doch bei der Kontrolle des Saildrive-Peilstabs kommt der Schock! Das Öl ist nicht wie gewohnt honiggelb sondern gleicht mehr einem Milchkaffee. -Wir haben Wasser im Öl-

Nach einer kurzen Besprechung wird uns klar, dass wir so unsere Reise nicht weitermachen können und eine Werkstatt mit Kran brauchen werden. Weiter nach Norden oder zurück nach Kalmar? Kalmar sind nur 11 sm und es gibt einen VP-Servicebetrieb. Auch wenn es schwerfällt geht es zurück nach Kalmar und so tuckern wir aus dem Hafen und setzen sofort Segel. Schließlich möchten wir das Saildrive nicht unnötig belasten. Der schwache Südwest bringt uns aber doch recht flott wieder zurück nach Kalmar. Noch unterwegs erreicht uns eine SMS der HAPPY OUR2. „Fahrt ihr zurück nach Kalmar?“ – Ja leider antworten wir…

Wir bekommen von der HAPPY OUR2 noch zahlreiche Tipps und Adressen von weiteren Betrieben. Denn schließlich ist es Sommer in Schweden und viele Unternehmen haben zu oder laufen auf „Sparflamme“ und so ist es ungewiss, ob wir bei der Kalmar Marina überhaupt Erfolg haben. Auch Cecilia, eine Maxi84 Eignerin aus Stockholm, bietet uns sofort Hilfe an und stellt sogleich eine Anfrage in einer schwedischen Facebook-Gruppe.

Kalmar 28.06.2021

Pünktlich um 8:00 Uhr stehen wir vor der Tür von Kalmar Marina. Wir sind der zweite Kunde und erklären sogleich unser Problem. Nach einer kurzen Rücksprache mit dem Techniker ist es klar; es wird wohl der Simmerring sein. Doch leider wird auch direkt klar, dass dieses Ersatzteil nicht auf Lager liegt. Jedoch die gute Nachricht ist, dass dieses in Göteborg verfügbar ist und am nächsten Tag geliefert wird. Wir vereinbaren, gleich noch die Opferanoden mit tauschen zu lassen.

Zugleich sind wir „happy“, dass wir Aussicht auf eine schnelle Reparatur haben, doch auch etwas skeptisch, ob dies wirklich so reibungslos funktioniert.

Den restlichen Tag verbringen wir mit einem Spaziergang und Wolfgang steht noch eine Stunde bei Telia an, um eine Halebop Telefonkarte zu kaufen. – Die Schweden haben irgendwie viel Zeit und Geduld- Keine Meckern und Vordrängeln.

Kalmar 29.06.2021

Um 13:09 Uhr klingelt das Telefon und Fredde von der Kalmar Marina ist dran. Das Ersatzteil ist da und wir können sofort zum Kran fahren.

Wir packen alles zusammen und legen ab. 15 Minuten später legen wir an den übergroßen Reifen neben dem gelben Kran an. Es ist etwas schwierig, die Fender so zu platzieren, dass wir nicht allzu viele schwarze Streifen bekommen.

Fredde begrüßt uns und sofort wird der Kran gestartet- Das Abenteuer beginnt! Bei frischem Wind von der Seite schwingt die Decision ordentlich in den Gurten. Aber alles geht gut!

Wir werfen noch einen Blick auf des Unterwasserschiff, alles bestens, und gehen in die Stadt. So gegen 16 Uhr, meint Fredde, werden sie fertig sein.

Wir bummeln durch die Stadt und essen noch ein Eis. Beim Warten am Hafen plaudern wir noch mit unseren Nachbarliegern von der FiftyFifty, welche gerade auf ihre Wäsche warten. Spontan bieten sie uns sogar ihre freie Kabine an, sollte die Decision heute nicht ins Wasser kommen.

Um 17:01 Uhr klingelt das Telefon und Fredde sagt, dass alles fertig sei und wir kommen können. Puhh das hört sich gut an!

Fredde zeigt uns direkt einige Bilder und erklärt uns, was gemacht wurde. Wir sind sehr erleichtert, dass wohl alles funktioniert hat.

Wir passieren nur unter Genua nun zum dritten Mal die Ölandbrücke und nutzen den guten SW um nach Borgholm zu segeln. Denn für die nächsten Tage ist die Wetterprognose eher schlecht:-(

Epilog: Trotz dieses ärgerlichen Zwischenfalls sind wir doch positiv gestimmt und zugleich erfreut über die vielen Reaktionen und Unterstützungen. Daher möchten wir uns bei der HAPPY OUR2 und Cecilia für die tatkräftige Unterstützung bedanken. Bei der Crew der FiftyFifty für das spontane Angebot der Kabine. (Hoffentlich trifft man sich noch mal) Auch bei Kalmar Marina und insbesondere Fredde für die kurzfristige Reparatur. Jedoch auch bei Volvo Penta, welche für ein 40 Jahre altes Saildrive immer noch Ersatzteile vorhalten. (In der Automobilindustrie undenkbar!)