Hotspot-Tour

Vaxholm 06.08.2021 – 07.08.2021

Wir begeben uns weiter auf Hotspot-Tour…..auf nach Vaxholm. Vaxholm ist eine historische Stadt in der Provinz Stockholms län. Der Stadt vorgelagert befindet sich das Kastell, das seinerzeit zum Schutze der Stadt Stockholm von der Seeseite errichtet wurde und heute ein Museum beherbergt. Wir fahren mit dem Boot direkt im schmalen  westlichen Fahrwasser zwischen Stadt und Kastell, was natürlich eine sehr schöne Kulisse darstellt.

Man muss allerdings wirklich wachsam sein, denn auch hier herrscht reger Boots- und Fährverkehr. Auch eine Kabelfähre fährt im 15 Minuten-Takt zwischen Kastell und Stadt, also ist etwas Vorsicht geboten. Wie wir später lesen, ist diese Durchfahrt eigentlich für Boote kleiner 12 Meter verboten, was aber niemanden zu interessieren scheint oder sich dessen niemand bewußt ist (so wie wir eben auch). Im Hafen ist mächtiger Schwell, verursacht durch die viele Fähren und Motorboote. Das Anlegen ist also etwas herausfordernd. Zudem gibt es keine Bojen, sondern Mooring-Leinen. Man legt Bug vorwärts an und nicht wie im Mittelmeer-Raum mit dem Heck zum Steg – eine für uns bisher unbekannte Art anzulegen. Am Flair im Hafen und auch an den Hafenpreisen merkt man, dass wir uns dem Stockholmer Einzugsgebiet nähern. Wir bummeln etwas durch die Stadt und finden sogar einen Laden mit Bootszubehör, bei dem wir endlich Ersatz für unseren versunkenen Bojenhaken finden. Auf dem Rückweg decken wir uns noch mit Wasser und ein paar frischen Lebensmitteln ein. Der Abend und die Nacht sind etwas unruhig da einige Bootscrews am Steg sturzbetrunken die Nacht durchmachen.

Der nächste Tag beginnt, wie vorhergesagt, mit starkem Regen. Wir haben vorausschauend den Besuch des Kastell-Museums auf den Regentag verlegt. Also fahren wir mit der Kabelfähre zum Kastell.  Das Museum zeigt in der Hauptausstellung alles rund um Schwedens Küstenverteidigung und das Leben in der Festung zur damaligen Zeit.

Am Nachmittag bekommen wir Besuch. Cecilia, ebenfalls Maxi84 Besitzerin, die Wolfgang schon seit längerem aus der Maxi84-FB Gruppe kennt, kommt mit ihrem Sohn und Hund zu uns an Bord. Im Gepäck hat sie außerdem einige selbstgemachte Leckereien (Kaneelbullar und Kokosbollar), die wir zur traditionellen schwedischen “Fika” genießen. Wir verbringen einen sehr schönen Nachmittag und freuen uns, dass wir uns persönlich kennenlernen konnten. Vielen Dank, liebe Cecilia!

Rönningsfladen / Eknö 08.08.2021

Nach einer deutlich ruhigeren Nacht steht heute etwas wichtiges auf unserer ToDo-Liste: Ölwechsel. Wolfgang macht sich direkt nach dem Frühstück an die Arbeit und kurze Zeit darauf fahren wir auch schon los, zunächst in Richtung Tankstelle. Wir füllen Tank und Kanister und fahren in eine Ankerbucht namens Rönningsfladen auf der Insel Eknö, ganz in der Nähe von Sandhamn. Die meiste Zeit sind wir unter Motor unterwegs, da der Wind sich heute eine Pause gönnt.   Die Einfahrt in die Ankerbucht ist sehr sehr eng und auch nicht besonders tief; drinnen liegt man aber sehr ruhig.

Schmal und nicht besonders tief

Sandhamn 09.08.2021 – 10.08.2021

Wie erwähnt, befindet sich Rönningsfladen ganz in der Nähe von Sandhamn. Genau genommen 2 Meilen. Wir haben also nur eine ganz kurze Strecke vor uns. Sandhamn ist das Mekka der Segler innerhalb der Schären. Da wir so früh ankommen, ergattern wir einen Premium-Platz direkt gegenüber des Seglerhotels. In Sandhamn begeben wir uns auf die Suche nach Schauplätzen aus der Krimi-Reihe “Morde in Sandhamn” nach den Romanen von Viveca Sten. Einige Plätze und Häuser meinen wir auch, wiederzuerkennen. Zur Sicherheit schauen wir uns abends noch eine Folge der Serie an. Sandhamn mit seinen hübschen Häusern und Fischerhütten in vielen Farben und Formen gefällt uns sehr gut und wir bleiben eine weitere Nacht.

Gegenüber liegen die beiden Inseln Lökholmen und Telegrafholmen. Der Segelclub KSSS, der den Hafen Sandhamn betreibt, bietet einen kostenfreien Bootstransfer dorthin, denn auch die Steganlagen auf den beiden genannten Inseln werden vom Segelclub betrieben. Wir nehmen das Angebot in Anspruch und schauen uns Lökholmen mit den Überresten einer Festung an. Auch die Steganlagen nehmen wir in Augenschein. Hier liegt man sehr ruhig und idyllisch ohne den Stadttrubel Sandhamns. Wer also eher ruhige Liegeplätze bevorzugt, ist hier sehr gut aufgehoben und ist durch den stündlichen Shuttle-Service dennoch nicht von der Außenwelt angeschnitten.

Högholmen / Harö 11.08.2021

Der Kommissar aus der Serie “Morde in Sandhamn” hat ein Sommerhaus auf der nahe gelegenen Insel Harö. Auch diese Insel wollen wir uns einmal ansehen. Auf der Insel Harö selbst gibt es keinen Hafen, aber eine Bucht, in der man vor Anker gehen- oder direkt am Fels anlegen kann. Wir steuern die Bucht an, da aber gerade in dem Moment eine Gewitterwolke mächtig zu grummeln beginnt, wollen wir ungern an den Fels gehen und das aufblasbare Kanu wollen wir auch nicht im Gewitter in Betrieb nehmen.

Wir fahren also einmal um die Ecke herum, nach Högholmen, eine kleine benachbarte Insel. Hier gibt es eine Steganlage mit Restaurant, das bekannt ist für seine gute Pizza. Im Restaurant gibt es auch einen kleinen Laden, in dem man sich bei Bedarf versorgen kann. Wir sind erstaunt, dass die Hafengebühr hier 40 Euro beträgt, mehr noch als in Sandhamn, das deutlich mehr zu bieten hat. Wir gehen davon aus, dass bei diesem Preis der Strom inklusive ist und stöpseln unser Kabel an. Später am Abend kommt dann der ca. 10-jährige Sohn des Hafen- und Restaurantbetreibers zu uns an Bord und erklärt uns in perfektem English, dass wir noch 15 Euro für Strom zu entrichten haben, da der Strom nicht inklusive sei….Wow, um ehrlich zu sein finden wir das sogar schon etwas unverschämt. Auch die Pizza für 20 Euro ist für deutsche Verhältnisse wirklich teuer, aber sie ist wirklich sehr lecker, das kann man nicht anders sagen. Der Tag/die Nacht hier kostet uns am Ende insgesamt 100 Euro….Kann man mal machen, aber jeden Tag können wir uns das nicht leisten. Vielleicht ist auch das der Grund, dass nur sehr wenige Boote hier über Nacht bleiben. Die meisten kommen mit Motorboten, legen an, essen eine Pizza und fahren wieder.

Björnö / Myrholmen 12.08.2021

Nicht nur um Geld zu sparen, peilen wir für die nächste Nacht einen Schärenplatz an. Wir setzen die Segel, die wir aber auch nach kurzer Zeit schon wieder bergen müssen, da der Wind schwach ist und wir teilweise genau gegen den Wind fahren. Generell ist es so, dass durch die vielen Schären der Wind sehr stark abgelenkt wird und streckenweise Düseneffekte auftreten und kurz darauf wieder absolute Flaute durch die Landabdeckung herrscht. Daher ist das Segeln hier mit vielen Kursveränderungen, Veränderungen der Segelstellung, Setzen- und dann doch wieder Bergen der Segel verbunden. Die zunächst angedachte Ankerbucht namens Ramsviken auf der Insel Björnö lassen wir nach kurzem Blick hinein erst einmal links liegen. Die Schärenplätze sind schon belegt. Ca. Eine halbe Seemeile weiter nördlich gibt es eine weitere Bucht, in der wir noch einen Schärenplatz finden. Keine ideale Schäre, da der Fels nicht sehr steil abfällt sondern eher flach aber es klappt gut, wir machen fest, rechtzeitig bevor es zu regnen beginnt. Wir wollen erst einmal unter Deck den Regen abwarten, doch plötzlich: “Bumm”, die Decision stößt vorne an den Fels. Das Geräusch hört sich unter Deck wirklich nicht schön an. Durch ein aufziehendes Gewitter gab es einen Winddreher, der die Decision nach Lee drückt und hier ist der Fels wirklich zu flach für uns….In strömendem Regen legen wir so schnell wie möglich wieder ab. Gar nicht so einfach, hier wieder wegzukommen, denn die Schäre wird bei Regen ganz schnell zur Rutschpartie für Wolfgang, den es beim Lösen der Leinen ziemlich auf die Nase legt. Wir fahren also wieder die halbe Seemeile in den Süden und versuchen, in der ursprünglich geplanten Bucht frei zu ankern. Der Anker scheint zwar zu halten aber wir haben nicht viel Raum in Lee zum Schwanken also brechen wir das Ankermanöver wieder ab. Im Süden der Insel gibt es noch eine Ankerbucht, die vielversprechend aussieht – Myrholmen/Småäng. Wir tuckern also ein Stück unter Motor durch das sich gerade beruhigende Gewitter und werfen unseren Anker in Myrholmen. Hier liegen wir nun wirklich ruhig und man glaubt kaum, dass es gerade außerhalb der Bucht noch so “abging”. Auf den geplanten Landgang mit Wanderung zu einem Aussichtsturm verzichten wir jetzt aber lieber.

Åvaviken 13.08.2021

Eine ausgiebige Wanderung holen wir am darauffolgenden Tag nach. Hierzu fahren wir erst einmal 10 Meilen in die Bucht Åvaviken. Auf dem Weg hierher und auch in der Bucht selbst gibt es viele Häfen, allerdings ausschließlich Clubhäfen und keine Gasthäfen. Ein Revierführer schreibt von einem Gästesteg am Ende der Bucht, dieser ist allerdings inzwischen in marodem Zustand und hat auch keine Landverbindung mehr.

Wir ankern also in der Bucht mit viel Raum in alle Richtungen zum Schwanken. Das Kanu kommt heute zum Einsatz denn die Bucht liegt direkt am Naturreservat mit schönen Wanderwegen, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Wir machen eine 5-stündige Wanderung durch ursprüngliche Wälder, über Stock und viel Stein, vorbei an einem See und paddeln anschließend wieder zurück zur Decision, die brav auf uns gewartet hat. Beim Übersteigen vom Kanu an Bord der Decision macht es Platsch und Tanja landet im Wasser…Hahahah, einen Lacher ist es Wert. Wolfgang hat es schon kommen sehen, dass die Art und Weise des Übersteigens so nicht wirklich von Erfolg gekrönt sein würde aber noch bevor er eine Warnung aussprechen kann, ist es zu spät.

Dallarö / Ornö (Brunnsviken) 14.08.2021 – 15.08.2021

Als wir unsere Ankerbucht verlassen, pustet der Wind ordentlich aus südwestlicher Richtung. Wir merken, dass das erste Reff nicht ausreicht, binden das zweite Reff ein, das sitzt irgendwie nicht richtig gut. Hier ist etwas mit der Führung der Reffleine nicht in Ordnung, was Wolfgang dann noch schnell behebt.

Mit achterlichen Winden, die zudem ständig durch die Inselablenkung drehen und zur einen oder anderen beinahe-Patenthalse führt, nehmen wir die Segel wieder runter, auch weil wir nach Kursänderung in Richtung Süden wieder einmal direkt gegen den Wind fahren. Auf der weiteren Fahrt machen wir noch einen guten Fang und können nun einen weiteren Fender unser Eigen nennen;-)

Da auch für die kommenden Tage starke südwestliche Winde angesagt sind, wollen wir den nächstgelegenen Hafen, Dallarö, anlaufen. Wie wir geahnt haben und dann auch bestätigt bekommen, ist der Hafen jedoch bei südwestlichen Winden direkt dem Schwell ausgesetzt und bietet keinen Schutz und nachdem alle Plätze mit der Nase in den Wind schon belegt sind, ziehen wir wieder davon. Unsere Alternative liegt in ca. 8 Seemeilen Entfernung. Ein von allen Windrichtungen gut geschützter Hafen auf der Insel Ornö. Wir stampfen uns also gegen Wind und Welle  in Richtung Süden und kommen nur langsam vorwärts.

Der Hafen erweist sich tatsächlich als sehr gut geschützt, ist allerdings stark in die Jahre gekommen und bietet keinen besonders guten Service (Trocken-Toilette und Container-Dusche, die die besten Jahre hinter sich haben). Auch hier beträgt die Hafengebühr 35 Euro ohne Strom. Sauna ist allerdings fast überall standardmäßig im Preis inbegriffen. Irgendwie unfair. Auch auf Ornö gibt es ein Naturreservat, das wir in der Abenddämmerung noch erlaufen. Hier soll es sehr viele Elche geben….Wir halten gespannt Ausschau und siehe da, als wir die Hoffnung fast aufgegeben haben, erspähen wir am Waldrand etwas, das wie ein Elch aussieht…..Zu unserem Glück kommt die Elchkuh mit ihrem Kalb sogar direkt in unsere Richtung gelaufen und wir können sie lange Zeit beobachten, bevor wir von den großen Vierbeinern gesehen werden und diese das Weite suchen.

3 Gedanken zu „Hotspot-Tour“

  1. Hallo ihr Zwei!
    So viel Natur um euch rum, schön zu lesen 🙂
    Wir müssen also für uns in den nächsten Jahren nochmal eine extra Runde für Schweden einplanen! Viel Spaß weiterhin und fair Winds von der Slocum (jetzt nur noch Rund Fünen)
    LG Angela

  2. Hey Tanja og Wolfgang!

    Wieder ein interessanter, ehrlicher Törn-Bericht. “ Wozu in die Ferne schweifen wenn das Schöne liegt so nah!“ Dänische Südsee!
    Hieß das nicht früher „schwojen“, statt schwanken?
    Ich meine „Schwanken“ gibt es vielfach in der Seefahrt, vornehmlich nach dem Landgang. Bitte um Aufklärung.

    Handbreit und herzlichen Gruß!

    Michael Plutat

    1. Hallo Michael,

      Stimmt, das Schwanken nach dem Landgang soll es wohl auch geben ;-). Das Wort „Schwanken“ in unserem Fall haben wir aus schlecht übersetzten Revierführern übernommen; es ist für uns inzwischen zum geflügelten Wort geworden, das wir wie selbstverständlich verwenden.

      Dänische Südsee: auch sehr sehr schön, uns reizt allerdings das Unbekannte.

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, beste Grüße
      Tanja und Wolfgang

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