Kein Sommertörn

Unser Motor hat keine Leistung mehr. Woran kann das liegen? Was hat das mit dem Sommertörn zu tun? Was ist beim Saildrive zu beachten?

Der Sommer 2026 hat sich bisher sehr warm und trocken gezeigt, ganz anders als im vergangen Jahr. Da hatten, zumindest wir, einen sehr feuchten und windigen Sommertörn. Dies Jahr ist „eigentlich“ ein Törn nach Südholland in die Schelde geplant. Doch daraus wird wohl nix.

Damit ihr das verstehen könnt, springen wir mal ein paar Monate zurück.

Ostern 2026: Wir fahren unter Maschine durch das Heeger Meer. Maschfahrt bei 1700 rpm und plötzlich sackt die Drehzahl um 200-300 rpm ab. Wir denken uns nicht viel dabei. Es könnte ja noch etwas Luft in der Dieselleitung durch den Filterwechsel im Winter sein. Und weiter geht’s…

Phase 1 – Dieselpest?

Einige Wochen später sind wir im Markermeer unterwegs und das „Stottern“ wird schlimmer. Auf unserer Rückreise von Hoorn nach Enkhuizen macht der Sole nur noch max. 1400 rpm unter Last. Wir vermuten Dieselpest und damit verstopfte Filter.

Wir besorgen Filter, Pumpe, Dichtmittel und frischen Diesel und machen uns im Juni an die Arbeit. Beim Öffnen des Revisionsdeckels sehen wir im Tank einige Ablagerungen, jedoch keine echte PEST. Wir saugen alles ab, reinigen den Tank mit Azeton und erneuern die Dieselfilter. Die Filter zeigen keine Verschmutzungen. Nachdem wir alles wieder zusammengebaut und frischer Diesel aufgefüllt haben, startet der Motor problemlos und stottert noch kurz bis die Luft raus ist. Im Standgas läuft er ganz normal, jedoch hat sich unter Last nichts verbessert!

Phase 2 – wir brauchen Hilfe

Etwas bedröppelt und ratlos fahren wir nach Hause. Jetzt steht fest, dass wir hier professionelle Hilfe brauchen. Unser Techniker aus Woudsend erreichen wir per Telefon, jedoch ist eine Ferndiagnose nicht wirklich möglich und bis Enkhuizen fährt er nicht, um sich die Sache anzuschauen. Wir informieren uns nach „guten“ Werkstätten in der Nähe und telefonieren viel. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig – inzwischen ist ja schon Juni.

Letztendlich bekommen wir am Montag den 15. Juni 2026 einen Termin bei der Flevo Marina. Die Wetterbedingungen am Samstag sind gut (W 3Bft) und so können wir quasi bis fast vor den Steg nach Lelystad segeln.

Am Montag kommt ein Techniker an Bord, um sich das Problem anzuschauen. Er prüft die Standardgeschichten: Luft, Wasser , Abgas und überprüft das Ventilspiel. Soweit erst mal nichts Auffälliges. Jedoch kommt aus der Luftansaugung Abgas und unter Last schwarzer Ruß aus dem Auspuff. Die Vermutung liegt Nahe, dass das Einlassventil nicht richtig schließt.

Wir entscheiden letztendlich die Decision an Land zu nehmen, um zu überprüfen, ob die Schraube frei dreht. Doch auch hier scheint zunächst alles ok zu sein.

Ruckzuck ist unser Techniker wieder an Bord und fängt an, den Motor zu zerlegen. Wir machen uns per Uber auf den Weg nach Enkhuizen, um unser Auto zu holen.

Zurück in Lelystad zeigt uns der Techniker das fehlerhafte Ventil. Wir beschließen den Zylinderkopf mit Ventilen überarbeiten zu lassen. Auch der Kühler ist ausgebaut und gereinigt.

Phase 3- Warten

Der Zylinderkopf wird zu einer Fachfirma gebracht und bei Sole müssen Ersatzteile bestellt werden. Ventile, Dichtsätze und Kleinteile. Im Grunde können wir nicht viel machen außer abwarten. Der Werkstattleiter informiert uns, dass die Reparatur noch nicht fertig gestellt werden kann und sie noch auf den überholten Kopf warten. Wir kürzen unseren Urlaub, in der Hoffnung das „alles“ rechtzeitig fertig wird. – Doch am Ende erreicht uns die Nachricht, dass unser Boot nicht rechtzeitig vor unserem Urlaub fertig wird.

Phase 4 – Urlaub Plan B der gar kein Plan B ist;-)

Reiseziele haben wir jede Menge im Kopf und so fällt es nicht schwer, unser Womo zu packen und nach Frankreich zu brummen. Ziel: Bretagne. Schließlich haben wir ja noch zwei Wochen Urlaub. Der Sommer in Frankreich ist heiß und trocken. Nach gut 1200 km erreichen wir unser Etappenziel Plougrescant. Die Bretagne ist einfach traumhaft – auch ohne Boot!

Schon am Dienstag unserer ersten Urlaubswoche erreicht uns der Anruf des Werkstattleiters. Die Decision ist fertig. Es wurden noch weitere Kleinigkeiten erledigt. Der Motor dreht 2200 rpm bei etwa 6 kn Fahrt. Also so wie immer eigentlich.

Wir beschließen in der zweiten Urlaubswoche unsere Decision wieder in Leleystad abzuholen.

Phase 5 – Abholung in Lelystad

Der Werkstattleiter ist im Urlaub und wir können die Schlüssel im Büro abholen. Die Decision liegt weiterhin am Werkstattsteg und so können wir alles in Ruhe inspizieren. Fliegen und Spinnen haben ganze Arbeit geleistet und wir müssen gründlich putzen. Unter Deck ist der Anblick nicht so erfreulich, denn der Dieseltank scheint nach dem reinigen nicht ganz dicht zu sein und die Werft hat ihn randvoll betankt. Insbesondere Wolfgangs Blutdruck bringt dies in ungesunde Höhen! Auch in der Bilge findet sich jede Menge Kühlflüssigkeit. Ein Techniker der Werft bringt Bremsenreiniger für den Tank und eine Pumpe zum Absaugen der Flüssigkeit. Doch was macht denn der Motor? Er läuft. Etwa 2200 rpm ohne Gegenstrom.

Phase 6 – zurück nach Enkhuizen und wie geht es weiter?

Nach unserer ersten Testfahrt legen wir noch mal kurz an uns sprechen mit dem Techniker. Denn ein „Problem“ bleibt bestehen. Warum dreht er nur 2200 rpm unter Last. Ohne Last sind es 3200 rpm. Das ist recht normal.

Wir haben an unserem Sole das orginal VolPenta S110 Saildrive mit einer Übersetzung von 1.66:1. d.h. Die Kurbelwelle des Motors muss sich 1,66-mal drehen, damit sich der Propeller 1-mal komplett um die eigene Achse dreht.

Die Übersetzung ist für den alten VP MD7 ideal, jedoch drehen modernere Motoren deutlich höher und es wäre 1:2,2 oder 1:2,5:. Daher haben wir nur die Möglichkeit, ggf. die Schraube anzupassen. d.h. Steigung und/oder Größe verkleinern. Dazu aber mehr aus dem Winterlager.

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